Zauber der Rauhnächte

Artikel in der Schrobenhausener Zeitung am 23.12.20

 

Zeit zwischen den Zeiten, Zeit des Übergangs – die Rauhnächte. So werden die die Nächte zwischen Weihnachten und den Heiligen Drei Königen genannt. Man spricht auch von den „Zwölften“, diese Bezeichnung nimmt Bezug auf die zwölf heiligen Nächte um die Weihnachtszeit. Es ist eine ganz besondere, fast magische, Zeit. Eine Zeit, um die Hektik des Alltags loszulassen, um wieder mehr und mehr bei sich anzukommen. Die Natur macht es uns vor: Die Pflanzenkräfte haben sich zurückgezogen, ruhen sich aus und tanken Kraft für das Neue im Zyklus des Lebens. Wir Menschen tun uns oft schwer mit Rückzug und Stille und doch kann uns gerade dies helfen, wieder Energie zu tanken, uns neu auszurichten und die Kostbarkeit des Lebens bewusst zu machen. Die Rauhnachtzeit eignet sich besonders gut dafür. In diesen Tagen werden viele Dinge intensiver wahrgenommen als sonst. Ein besonderer Zauber scheint in der Luft zu liegen. Es gelingt leichter, den Blick vom Außen nach Innen zu wenden, um dann mit neuer Wahrnehmung wieder ins Außen zurückzukehren.

 

Wann sind die Rauhnächte? Die am meisten verbreitete Tradition dazu ist, dass sie um Mitternacht am 24. Dezember beginnen und um Mitternacht des 5. Januars enden. Die vier Wochen vor dem Weihnachtsabend können schon als Vorbereitungszeit dafür gesehen werden. Noch Ordnung schaffen, Geliehenes zurückgeben, Schulden begleichen und alte Projekte abschließen. Zeit, um unsere Beziehungen zu reflektieren: Wo bin ich noch im Unfrieden? Wie geht es mir mit dem Gedanken zu verzeihen und mich zu versöhnen? So ganz nebenbei damit inneren Frieden finden und nach und nach in der ruhigen Zeit ankommen. Ein erster wichtiger Tag im Vorfeld der Rauhnächte ist der 21. Dezember - Wintersonnenwende. An diesem Tag ist die längste Nacht und der kürzeste Tag. Selbst wenn das Licht im Außen noch nicht sichtbar ist und es sich um die dunkelste Zeit im Jahr handelt, kündigt sich damit schon das Neue an. Die Wintersonnenwende eignet sich gut, um nochmals Rückschau zu halten: Was war in diesem Jahr? Wofür bin ich dankbar? Gibt es jemanden, bei dem ich mich noch besonders bedanken möchte? Aber auch: Was hat mich belastet? Was möchte ich loslassen? An vielen Orten gibt es auch speziell am Abend des 21. Dezember ein Wintersonnwendfeuer, eine gute Gelegenheit, das „Alte“ ins Feuer zu geben.

 

Um die Rauhnächte selbst gibt es viele Mythen und Bräuche, die überliefert sind. Ich selbst kenne noch aus meiner Kindheit, dass an diesen Tagen keine Wäsche gewaschen werden durfte. Dafür gibt es wohl mehrere Gründe. Einmal sollen in diesen Tagen die „Räder des Alltags“ stillstehen, nur das Notwendigste gemacht werden, damit eben auch die Haushaltsarbeit reduziert werden. Die alten Geschichten erzählen davon, dass in diesen Tagen auch dunkle Mächte um die Felder ziehen und es sein kann, dass sie sich in hängender Wäsche verfangen … und wer will das schon. Auch ein schöner Brauch in diesen Tagen ist es, ein Licht ins Fenster zu stellen. Damit laden wir das Licht in unser Haus ein und gleichzeitig darf es Schutz für das Dunkle sein. Auch den Träumen wird in diesen Nächten besondere Bedeutung gegeben. Heißt es doch, dass jede Nacht für einen Monat des kommenden Jahres steht. Wer möchte, kann ja in diesen Tagen ein Traumtagebuch führen und im kommenden Jahr vergleichen, ob in den Träumen bereits Hinweise auf die späteren Monate erkennbar waren. In der Familie selbst geht es darum, Zeit miteinander zu verbringen. So ist es auch die Zeit der Geschichten und Märchen. Wie wäre es, mal die ältere Generation nach ihren Geschichten zu befragen? Wieviel wissen wir aus der Kindheit unserer Großeltern, unserer Eltern? Wie wurde Weihnachten damals gefeiert? Welche Erlebnisse sind noch in Erinnerung? Ich weiß selbst aus eigener Erfahrung, dass irgendwann die Zeit kommen wird, wo wir nicht mehr fragen können.

 

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist an diesen Tagen das Räuchern. Weihrauch und Myrrhe waren die Gaben der Heiligen drei Könige aus dem Morgenland und so wird besonders in unseren Kirchen gerade in der Weihnachtszeit viel geräuchert. Aber auch in Häusern und in den Ställen wurde früher dieser Brauch vielfach praktiziert, damit Tier und Mensch gesund bleiben und Haus und Hof geschützt sind. Diese alte Tradition des Räucherns wird auch heute noch in vielen Haushalten fortgeführt. Gerade die Tage an Weihnachten, an Silvester/Neujahr und auch an Dreikönig, laden besonders dazu ein.

 

Da auch Rituale gut in diese Zeit passen, hier ein Wunsch-Ritual für die Rauhnachtzeit: Es ist zu empfehlen, sich schon vor Beginn der Rauhnächte, z.B. am Tag der Wintersonnenwende, etwas Zeit zu nehmen, um in die Stille zu gehen, um die persönlichen Herzenswünsche willkommen zu heißen. Was wünsche ich mir für das neue Jahr? Was möchte ich in mein Leben einladen? Nicht nur Wünsche für uns selbst, auch für andere Menschen, die Welt, können mit einbezogen werden. Am besten notiert man sich alle Gedanken und Impulse und spürt zu einem späteren Zeitpunkt nochmals nach, welcher Wunsch wirklich wichtig ist. Am Ende sollten es 13 Wünsche sein. Diese schreibt man auf kleine Zettel, faltet diese zusammen und gibt sie in ein Gefäß. In jeder Rauhnacht wird dann ein Zettel gezogen und verbrannt, ohne ihn zu lesen. Auch dies kann in einem kleinen Ritual geschehen: Sich zurückziehen, in die Ruhe gehen, den Zettel noch mal in den Händen halten und um die Unterstützung bei der Erfüllung dieses Wunsches bitten. Dann den Zettel auf dem Balkon oder im Garten verbrennen und gleichzeitig bewusst den Wunsch loslassen. Da es ja nur 12 Rauhnächte sind, wird ein Zettel übrig bleiben. Das ist dann der Wunsch, um den man sich dann selbst kümmern sollte. Es ist am Ende immer spannend, welcher Wunsch auf dem letzten Zettel steht. Ich wünsche nun viel Freude beim Ausprobieren.

 

Angela Karl

Heilpraktikerin für Psychotherapie

Heilsame Begegnung

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