Mit Atempausen gegen den Stress

Artikel in der Schrobenhausener Zeitung am 16.02.21

 

Zu den beliebtesten Neujahrsvorsetzen, die viele Menschen gegen Ende eines Jahres fassen,  gehört neben „gesünder ernähren“ oder „sich mehr bewegen“ auch „Stress vermeiden“. Wir haben mit Angela Karl gesprochen, die seit vielen Jahren als  Heilpraktikerin für  Psychotherapie arbeitet und an verschiedenen Volkshochschulen zu den Themen Achtsamkeit, Entspannung und Meditation unterrichtet.

„Stress fühlt sich auf Dauer nicht gut an, nimmt Lebensfreude, hat Einfluss auf unsere Gesundheit und auch auf unsere Beziehungen“, sagt Karl. Gerade Stress, wenn er zu viel werde und dauerhaft auf einem hohen Level sei, könne uns krank machen. Deshalb würden  viele Menschen tatsächlich diesen Vorsatz treffen.  Aber leider ist es mit dem Vorsatz allein nicht getan. Vielleicht klappt es zu Beginn des Jahres noch gut, wir haben durch Ferien noch etwas mehr Zeit. Aber dann holt uns der Alltag wieder ein und flugs sind wir wieder im alten System.

Es gibt zwei verschiedene Formen von Stress, wie Karl erläutert. „Kurzfristiger Stress ist von der Natur aus vorgesehen und überlebensnotwendig“, sagt die Expertin, man denke nur  an das oft zitierte Beispiel mit der  Flucht vor dem berüchtigten „Säbelzahntiger“. In der realen Welt könne uns dieser kurzfristige Stress anspornen, uns zu höheren Leistungen führen, zu besserer Konzentration und mehr Erfolg. Hier würden  wir nach der Anstrengung wieder Freude und Entspannung empfinden, man nenne dies auch ein gesundes Stressmuster oder Eustress, was für guter Stress stehe.

„Anders ist es, wenn der Stress kein Ende mehr nimmt, man spricht hier auch von chronischem Stress oder Distress, also dem negativen Stress“, macht die Heilpraktikerin deutlich. Dieser negative Stress überfordere  könne zudem   krank machen. Es komme kaum mehr zu Phasen der Entspannung. Die Anforderungen scheinen sich stetig zu steigern oder zumindest das Empfinden dazu. „Diese Form von Stress macht sich oft zuerst durch  Konzentrationsschwäche, Leistungsrückgang, gedrückter Stimmung, Gedankenkreisen und leichter Reizbarkeit bemerkbar“, so Karl. Aber mehr und mehr reagiere auch unser Körper und unser komplettes Körpersystem könne davon beeinflusst werden. „Wir schlafen schlecht, Puls und Blutdruck steigen, das Verdauungssystem ist gestört, es kommt zu Hautproblemen und oft machen sich dann auch körperliche Schmerzen wie Rückenbeschwerden bemerkbar“ macht die VHS-Dozentin deutlich. Burnout, Herzinfarkt und Schlaganfall können Folgen von krankmachendem Stress sein.  

 Wenn wir uns dauerhaft gestresst fühlen, keine Ruhe mehr finden und sich erste geistige und körperliche Anzeichen bemerkbar machen, dann ist dies spätestens der Zeitpunkt, um  aktiv zu werden. „Ein erster Schritt könnte sein, sich Zeit nehmen und das eigene Leben zu reflektieren“, sagt Karl.

Und wie hält man den Vorsatz auf lange Sicht gesehen durch, weniger gestresst zu sein? Eine Möglichkeit sei, so Karl, sich Termine für stressausgleichende Aktivitäten zu setzen, „die wir als ebenso wichtig erachten wie unsere sonstigen Termine“. Meistens seien wir dazu geneigt, gerne gerade diese Termine für Andere wieder zu streichen. Würde man es schaffen,  regelmäßige Zeiten für einen selbst wahrzunehmen, sei  dies die beste Prävention. Zudem sei es erwiesen, dass körperliche Bewegung und Sport uns hilft Stress abzubauen. „Egal ob Spazierengehen, langsames Joggen, Schwimmen, Yoga oder Tanzen, all dies senkt das Stresslevel und lässt uns wieder Energie tanken“, lautet deshalb Karls Rat. Ebenfalls könnten regelmäßige Zeiten der Entspannung dabei helfen, Stress abzubauen und auch vorzubeugen. „Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training, Bodyscan und Meditation eignen sich da gut, um nur einige Möglichkeiten zu nennen“, erklärt die Heilpraktikerin, die auch an der vhs Schrobenhausen Kurse gibt.

Um auch wirklich dabei zu bleiben, sie es aber wichtig, feste Termine zu planen und sich  vielleicht auch  Partner zu suchen. „Wer könnte mit beim Sport dabei sein? Wer hätte Lust auf einen gemeinsamen Entspannungskurs?“, das seien hilfreiche Fragen, um herauszufinden, wer aus dem Bekanntenkreis mitmache.  Vielleicht könne man auch den Lebenspartner einbinden und zum Beispiel das regionale Angebot der Volkshochschule nutzen.  Es gebe einen bekannten Spruch, sagt Karl, der hier hilfreich sein könnte: „Ich habe immer für dich Zeit, aber nicht zu jeder Zeit.“ Damit kommuniziere man, man sei da, aber jetzt sei einfach die Zeit für einen selbst.

„Was sich sehr zum Thema Stress bewährt hat ist zudem das Thema Achtsamkeit“, erzählt Karl. Immer wieder sollte man sich hinterfragen: Was ist jetzt? Welche Gedanken sind da? Was fühle ich? Wie geht es meinem Körper? „Man sollte dabei immer nur wahrnehmen, ohne es zu bewerten“, so die Dozentin. Damit würden wir  wieder mehr und mehr ins Hier und Jetzt und damit bei uns ankommen. „Wir steigen damit aus unseren gewohnten Mustern aus“, ist Karl überzeugt. Noch ein paar tiefe Atemzüge und die Welt könne schon eine ganz andere sein. Aus der Achtsamkeitspraxis wisse man, wie wichtig diese kleinen Atempausen seien.

Solche Atempausen kann man auch wunderbar in einen stressigen Alltag integrieren.  „Wie wäre es, täglich  10 Minuten früher aufzustehen und den Morgen in Stille zu beginnen?“, fragt Karl. Das könne entweder mit ein paar sanften Bewegungsübungen einhergehen oder mit einer Morgenmeditation. „Glauben Sie mir, wenn wir den Tag in Ruhe beginnen, starten wir ganz anders in den Arbeitsalltag“, ist die Therapeutin überzeugt. Auch für die Fahrt zur Arbeit lohne es sich, einfach ein paar Minuten mehr einzuplanen, um entspannt am Arbeitsplatz anzukommen. Außerdem helfe es, nach jeder abgeschlossenen Tätigkeit ein paar tiefe Atemzüge nehmen, kurz zu reflektieren, vielleicht nebenbei das Fenster zu öffnen und frische Luft zu tanken. Oder auch gerade vor einem Termin, der sich schon im Vorfeld stressig anfühle, eine kurze Auszeit zu nehmen, „ein paar Atemübungen und wir gehen entspannter in den Termin“.

Die Mittagspause eigne sich ebenfalls gut, um wieder etwas Kraft zu tanken. Wichtig  sei es dabei,  den Arbeitsplatz zu verlassen, sehr empfehlenswert sei zudem ein kleiner Spaziergang an der frischen Luft. „Alleine oder auch mit Kollegen und dabei bewusst nicht über die Arbeit sprechen“, rät Karl. Unser Leben sei voller Gewohnheiten. Wenn wir es schafften, diese kleinen Auszeiten zu Gewohnheiten werden zu lassen, könne  sich nach und nach unser Leben verändern. „Dies wird manchmal nicht sofort sein, aber spätestens nach ein paar Wochen werden wir erste Veränderungen bemerken“, so Karl.SZ

  

ANREGUNGEN FÜR WENIGER STRESS:

Schrobenhausen Angela Karl rät dazu, sich selbst beim Thema Stress zu reflektieren. Da seien bereits Fragen an sich selbst, die man ehrlich beantworten sollte, hilfreich.

 

Kann ich in bestimmten Situationen „Nein“ sagen?

Man kann auch gewohnte Strukturen überdenken und sich fragen: Was muss wirklich sein?

Aufgaben übertragen, auch in der Familie (nur weil ich das bisher gemacht habe muss das nicht weiter so bleiben): Kann das vielleicht auch jemand anderes machen?

Adlerperspektive:  Kann ich manche  Dinge mit etwas Abstand betrachten? Wie sehen sie dann aus?

Muss ich immer perfekt sein und handeln?

Kann ich meinen inneren Autopiloten  abschalten?

Muss wirklich immer alles noch besser sein?

Will ich Karriere um jeden Preis?

Habe ich einen gesunden Ausgleich zwischen Anspannung und Entspannung?

Nicht zu vergessen: Wenn der Stress zu viel wird, sollte man sich rechtzeitig Hilfe holen, etwa beim Hausarzt, Therapeuten oder Coach,  um nur ein paar zu nennen.SZ

 

 © Adobe Stock Sergey Nivens

 

Angela Karl

Heilpraktikerin für Psychotherapie

Heilsame Begegnung

Praxis für Beratung, Coaching &  Psychotherapie (HPG)

Schlosskeller 1 • 86529 Schrobenhausen • Tel 08252 - 82140


 "Heilsame Begegnungen können deine Seele berühren und haben die Kraft, dein Leben zu verändern."