Artikel "Gedanken zum Sonntag" in der Schrobenhausener Zeitung am 13./24.12.25
Haben Sie schon mal etwas von den Dunkelnächten oder Sperrnächten gehört? Diese Nächte sind tatsächlich eher noch unbekannt. Die Rauhnächte kennen schon viele – das sind die 12 Tage nach Weihnachten, denen man eine besondere Magie zuschreibt. Die Wintersonnwende am 21. Dezember eröffnet diese Zeit. Danach werden die Tage wieder länger und das Licht kommt damit mehr und mehr zurück. Stehen in den Rauhnächten die 12 Tage ab Mitternacht des 24. Dezembers symbolisch für die Monate des kommenden Jahres, so ist es bei den Dunkelnächten genau umgekehrt: Sie stehen für die Monate des vergangenen Jahres.
Man findet unterschiedliche Angaben, wann die Dunkelnächte starten. So gibt es z. B. für den Beginn dieser Phase den Totensonntag im November, was viel Raum und Zeit für einen guten Jahresabschluss bietet. Tatsache ist: Egal wann – die Wochen bis zur Wintersonnwende sind die dunkelsten Nächte im Jahr. Viele Überlieferungen nennen als Zeitfenster für diese Dunkelnächte die Nacht vom 8. Dezember, bis zur Nacht auf den 20. Dezember. Diesen Zeitraum finde ich selbst sehr passend, weil sich damit eben wieder die Zahl 12 ergibt, 12Nächte – 12 Monate.
Wie im alltäglichen Leben, wenn etwas Neues kommt, tut es gut, sich darauf vorzubereiten – dafür ist dieser Zeitraum gedacht. Diese Nächte werden auch Sperrnächte genannt, weil es darum geht, das Alte abzuschließen, zu verabschieden und es dann „wegzusperren“. Früher waren es auch die Tage, in denen die Bauern das letzte Vieh von der Weide holten, die Werkzeuge und Geräte noch einmal säuberten, reparierten und dann aufräumten. Alles wegsperren, bis es im neuen Jahr wieder gebraucht wird. All das sollte bis Weihnachten erledigt sein, sodass man getrost in die Weihnachtsfeiertage gehen konnte.
Wer kennt es nicht, das gute Gefühl, wenn die Dinge erledigt sind, alles geordnet und aufgeräumt ist? Diese Zeit der Sperrnächte eignen sich ideal dazu. Alles noch einmal in Ordnung bringen, das Zuhause „schön“ machen, ausmisten, entsorgen, ordnen, sauber machen – und sich gleichzeitig von unnötigem und altem Ballast befreien. Dazu gehört auch, Schulden zu begleichen und Geliehenes zurückzugeben. Das Neue wartet auf uns, und es möchte Raum, damit es kommen kann.
Es gibt aber nicht nur Ballast, den wir im Außen sehen. Ungelöste Konflikte, Unklarheit oder Streit liegen auf uns wie ein schwerer Rucksack, den wir mit uns tragen. So darf es auch Zeit geben, diesen Ballast zu bereinigen. Vielleicht geht es erst einmal ums Annehmen und Anerkennen, um es dann so sein zu lassen. So sein lassen, wie es war oder ist, um dann im Frieden zu kommen und es abzuschließen. Vielleicht braucht es auch noch ein Gespräch, ein Vergeben, um es dann loszulassen. Manchmal sind wir aber der größte Richter gegen uns selbst. Also auch da gerne mal hin spüren: Gibt es etwas, das ich mir selbst nicht verzeihe? Wir können die Dinge im Nachhinein nicht mehr ändern. Es heißt nicht, dass alles gut war, wie es war, aber in dieser Verurteilung zu bleiben, nützt uns nichts. Es geht darum, aus dem zu lernen, was war, und nach vorne zu blicken. „Schließe ab und finde Frieden“ ist ein Satz, der gut zu dieser Zeit passt.
So bieten sich diese Tage an, noch einmal wertzuschätzen, was war. Gerade im Rückblick sehen wir viele Dinge aus einer anderen Perspektive. Manche Ereignisse haben sich im ersten Moment schwer oder negativ angefühlt. Im Nachhinein erkennen wir doch, dass alles einen Sinn hatte – auch wenn es nicht so wahr, wie wir es uns gewünscht hätten. Manche Erfahrung brauchen wir, um daraus zu lernen oder eine Veränderung in unserem Leben anzustoßen. Für Reflektion braucht es Zeit und Raum. Warum sich nicht selbst einmal „wegsperren“, um sich diese Zeit bewusst zu schenken? Passt doch gut zu den Sperrnächten. Eine kleine Auszeit, in der man nicht erreichbar ist, sondern einfach Zeit mit sich selbst verbringt, um das Alte zu verabschieden und sich auf das Kommende vorzubereiten.
Für einen bewussteren Rückblick hilft oft der Kalender des vergangenen Jahres und die Bildergalerie im Handy. Sich jeden Tag einen Monat vornehmen, sich erinnern und Danke sagen. Auch wenn es jetzt keine 12 Tage mehr bis zur Wintersonnwende sind, so wären es noch 12 Tage bis Weihnachten – und so manche Regel dürfen wir etwas aufweichen, wenn sie uns dienlich ist.
Ein schöner Abschluss dieser Phase kann der Nacht der Wintersonnwende sein. In einem kleinen Ritual das Jahr verabschieden: ein Lagerfeuer, passend für das neue, kommende Licht. Im Feuer das Alte, das gehen darf, verbrennen. Das kann ein Brief ans alte Jahr sein oder kleine Zettel, auf denen steht, was wir loslassen möchten.
Mit einem aufgeräumten Zuhause im Innen und im Außen ins kommende Weihnachtsfest – das könnte sich richtig gut anfühlen.
Angela Karl
Heilpraktikerin für Psychotherapie