Eine ganz andere Art des Fastens

Schrobenhausener Zeitung - Gedanken zum Sonntag am 21.02.26

Fasten für die Seele – Wie Worte unser Leben verändern

 

 

Wir sind am ersten Wochenende nach Fasching – dem Beginn der Fastenzeit. Viele Menschen nutzen diese Wochen für bewussten Verzicht. Süßigkeiten, Fleisch, Alkohol – jeder setzt sich eigene Schwerpunkte.

 

Heute möchte ich Ihnen für die kommende Zeit eine andere Art des Fastens vorschlagen. Ein Fasten nicht auf der körperlichen, sondern auf der seelisch-mentalen Ebene. Es geht um unser Denken und unsere Worte.

 

Vor längerer Zeit habe ich selbst an einer Challenge teilgenommen, sie nannte sich „Jammerfasten“. Die Idee war einfach – und gleichzeitig herausfordernd: erst einmal bewusst wahrnehmen, wie oft wir schimpfen, jammern, kritisieren oder lästern. Erst wenn es uns bewusst ist, können wir etwas ändern.

 

Es sind oft die alltäglichen Dinge: das Wetter, der Nachbar, die Politik, das Geld, der Kollege, die Kinder. Wenn wir ehrlich sind, merken wir oft gar nicht mehr, wie negativ wir sprechen. Wenn wir unsere inneren Dialoge beobachten, wird uns bewusst, wie oft wir verurteilen, im negativen Denken sind – und das nicht selten mit uns selbst.

 

Was würde passieren, wenn wir die Fastenzeit nutzen, um im ersten Schritt unsere Gedanken zu beobachten? Wie sprechen wir mit uns selbst? Wie sprechen wir über andere? Und vor allem: Was bewirken unsere Worte?

 

Worte und Gedanken erschaffen Wirklichkeit, sie formen unsere innere Haltung. Unsere Worte tragen diese Haltung nach außen. Vieles im Außen können wir nicht verändern – aber wir können uns verändern. Wenn wir nun im zweiten Schritt beginnen, unsere Sprache bewusster zu wählen, wird nicht nur das Gespräch ein anderes – auch unser innerer Zustand verändert sich.

 

Vielleicht kennen Sie die Geschichte von den „Drei Sieben des Sokrates“. Sokrates soll einst gefragt haben, bevor jemand ihm etwas erzählen wollte: Ist es wahr? Ist es gut? Ist es hilfreich?

 

Man stelle sich vor, jede unserer Aussagen würde diese drei Frage-Siebe durchlaufen. Was bliebe übrig? Wahrscheinlich weniger – aber dafür Wertvolleres.

 

Wie oft erzählen wir Dinge weiter, ohne sicher zu sein, ob sie stimmen? Wie oft sprechen wir über andere, ohne dass es hilfreich ist? Und wie oft wiederholen wir negative Gedanken, die niemandem dienen – nicht einmal uns selbst?

 

Es geht nicht darum, Probleme oder Gefühle zu unterdrücken. Natürlich dürfen wir ansprechen, was uns bewegt. Entscheidend ist jedoch das Wie: Spreche ich aus der Anklage oder aus der Verantwortung? Dient das Gesagte einer Lösung – oder nährt es nur die Unzufriedenheit? Lösungsorientiert statt anklagend. Ehrlich statt verletzend. Klar statt verurteilend.

 

So könnten sich unsere Worte verändern: weniger Klagen. Weniger negative Selbstgespräche. Weniger vorschnelles Urteilen. Dafür mehr Bewusstsein. Mehr Wertschätzung. Mehr Verbindung. Mehr Frieden.

 

Nun noch einmal der Fokus auf die Kommunikation mit uns selbst – hier sind wir oft am wenigsten achtsam: „Das schaffe ich nie.“ „Ich bin einfach nicht gut genug.“ „Immer mache ich alles falsch.“

 

Würden wir so mit einem geliebten Menschen sprechen? Unsere innere Stimme ist die Stimme, die wir am meisten hören. Ihr vertrauen wir, und sie prägt unser Denken und Handeln. Wenn wir beginnen, diese Stimme liebevoller werden zu lassen, kann sich viel in uns verändern und alte Glaubenssätze können sich lösen.

 

Wie wäre es, wenn Sie gleich heute diesen Tag zu einem seelisch-geistigen Fastentag machen? Beobachten Sie bewusst Ihre Sprache. Achten Sie auf Jammern, Kritisieren, Lästern – innerlich wie äußerlich. Stoppen Sie sich, wenn es Ihnen auffällt. Formulieren Sie den Satz neu oder lassen Sie ihn vielleicht komplett los. Reflektieren Sie am Abend, wie sich das neue Sprechen angefühlt hat.

 

Vielleicht werden Sie überrascht sein und „fasten“ weiter – vielleicht zwei Tage, eine Woche oder die ganze Fastenzeit. Vielleicht gibt es auch etwas, das Sie an dieses seelisch-mentale Fasten erinnern darf: ein Objekt, das Sie immer wieder sehen, oder ein Stein in der Hosentasche. Oder binden Sie Ihr Umfeld mit ein. Erzählen Sie, was Sie sich vorgenommen haben, und bitten Sie Ihren Partner oder Ihre Kollegen, Sie zu erinnern, falls Sie es vergessen sollten.

 

Vielleicht stellen Sie am Ende der Fastenzeit fest: Ich denke freundlicher. Ich urteile weniger. Ich höre bewusster zu. Ich spreche klarer und wertschätzender. Es geht mir besser.

 

Ich wünsche Ihnen eine bewusste Fastenzeit – mit Worten, die gut tun.

 

 

 

 

Angela Karl

Heilpraktikerin für Psychotherapie & Life Trust Coach

Heilsame Begegnung

Praxis für Psychotherapie nach dem Heilpraktikergesetz & Coaching 

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 "Heilsame Begegnungen können deine Seele berühren und haben die Kraft, dein Leben zu verändern."